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Wissenschaftliche Referenzen und Materialien zum Thema Digitalisierung

Auswirkungen der Digitalisierung

Smart City, Smart Home, Smart Mobility

Die Digitalisierung der Städte beschleunigt die Klimakatastrophe

Peter Hensinger, Diskussionspapier für den BUND Vorstand KV Stuttgart Stuttgart, den 03.07.2018

"Smart City Stuttgart" heißt eine Broschüre der Stadt Stuttgart.1 Die Umsetzung der digitalen Vernetzung
von Stuttgart und der Region wird jetzt auf den Weg gebracht: "Über 1,5 Milliarden fürs
Glasfasernetz", berichtet die Stuttgarter Zeitung am 2.7.2018 über die Vereinbarungen zwischen der
Region und der Telekom. Der Glasfaserausbau für schnelles Internet, längst überfällig, ist zu begrüßen.
Doch welche Ziele verfolgen Staat und Industrie mit dem Ausbau, und welche Folgen wird er für die
Ökologie haben?


Das Smartphone stört die Eltern-Kind-Beziehung

diagnose:funk.org, 25.06.2018

Studie:
Technoference: longitudinal associations between parent technology use, parenting stress, and child behavior problems
https://www.nature.com/articles/s41390-018-0052-6


Statt sich mit ihren Kindern zu beschäftigen, sind viele Eltern chronisch vom Smartphone abgelenkt. Diese emotionale Vernachlässigung beeinträchtigt die Entwicklung der Kleinen

VON SEBASTIAN HERRMANN

Natürlich ist auch das kleinste Familienmitglied immer mit dabei. Meistens halten Mama oder Papa sogar Körperkontakt, das vertieft die Bindung. Das Kleine wird herumgetragen, gestreichelt und mit Aufmerksamkeit bedacht. Häufig steckt es auch in der Hosentasche oder schlummert auf dem Esstisch, dem Sofa oder in der Küche. Und wenn das kleine Smartphone dann nach Beachtung bettelt, eilen Eltern an das Display und kümmern sich um ihr digitales Baby – E-Mail, WhatsApp, Instagram, Facebook, Nachrichten, irgendwas ist immer und muss total dringend gecheckt werden. Die analogen Kinder, die aus Fleisch und Blut, stehen in Konkurrenz zum elektronischen Liebling der Eltern – und das setzt sie unter Stress. Eine Studie in Pediatric Research von Forschern um Brandon McDaniel zeigt, dass Mädchen und Jungen mit Frust, Wut, Hyperaktivität und weiteren Auffälligkeiten reagieren, wenn Eltern chronisch hinter einem Display abtauchen.

Im Familienkontext fokussiert sich die Diskussion aber meist auf das Verhalten der Kinder: Eltern diskutieren untereinander sorgenvoll, wie viel Zeit ihr Nachwuchs im WhatsApp-Klassenchat vertrödelt, Spiele spielt oder auf dem Handy Filme schaut. Das klingt oft, als stünde die Zukunft der Kinder unmittelbar auf dem Spiel – und darüber vergessen Erwachsene oft, über ihren eigenen Smartphonegebrauch zu reflektieren. Jenny Radesky von der University of Michigan in Ann Arbor, die an der aktuellen Studie beteiligt war, hat bereits in früheren Arbeiten den negativen Einfluss abgelenkter Eltern beobachtet. Richteten Mütter oder Väter ihre Aufmerksamkeit in Anwesenheit ihrer Kinder auf das Smartphone, kommunizierten die Familienmitglieder weniger miteinander (natürlich!) und wenn die Kinder dann um Beachtung buhlten, regierten die Eltern eher gereizt oder verärgert.

Ja gleich, Moment noch, da ist gerade eine wichtige E-Mail vom Chef gekommen

In anderen Studien haben Forscher festgestellt, dass ein Smartphone am Esstisch dazu führt, dass Familien weniger interagieren. Und auch am Spielplatz gilt: Wenn Mutti und Vati am Handy rumspielen, können die Kinder noch so eindringlich vom Sandkasten rüber plärren, sie werden seltener beachtet. Für Feststellungen wie diese braucht es eigentlich keine Studien, es reicht einen Spielplatz zu besuchen – oder über das eigene Verhalten nachzudenken.   Für die aktuelle Untersuchung baten die Wissenschaftler 183 Elternpaare mit mindestens einem Kind unter fünf Jahren, über sechs Monate lang Auskunft über ihren Smartphonegebrauch zu geben. Zudem wurde danach gefragt, wie sich das Betragen der Kinder während des Zeitraums entwickelt hatte. Lenkten sich Eltern immer wieder mit dem Handy ab, verhielten sich ihre Kinder häufiger auffällig: Sie quengelten, jammerten, bekamen Wutausbrüche oder zogen sich apathisch in sich zurück. „Das passt zu Alltagsbeobachtungen“, schreiben die Autoren der Studie, „Kinder eskalieren ihr Verhalten, wenn sie von Eltern beachtet werden wollen, die in ihr Smartphone versunken sind.“

Die Dynamik solcher Situationen gleiche einem Teufelskreis, argumentieren McDaniel und Radesky. Die an der Studie beteiligten Eltern räumten nämlich oft ein, dass sie besonders in Situationen nachdem Smartphone griffen, in denen sie sich von ihren Kindern gestresst fühlten. Das Handy biete ihnen eine Art Flucht aus dem Sturm, zu dem die Bespaßung von Kindern ausarten kann. Eine andere Untersuchung ergab, dass sich Eltern oft aktiv aus dem Familientrubel ausklinken, indem vermeintlich wichtige Aufgaben am Handy simulierten – schon wieder eine Mail aus der Arbeit, also wirklich! Doch wenn sich Eltern hinter dem Display verstecken, verstärken sie genau jenes Verhalten ihrer Kinder, dem sie entkommen wollten. So gehen sich schließlich alle gegenseitig auf die Nerven, die Kinder sind frustriert, die Eltern auch – und wenn es schlecht läuft, begeben sich die Beteiligten in eine Spirale und verstärken ihr Verhalten.

Kinder, auch das hat eine Studie gezeigt, reagieren besonders dann frustriert auf elterliches Smartphone-Gefummel, wenn diese ihre Aufmerksamkeit plötzlich und ohne Erklärung auf das Gerät richten. Doch das ist die Regel, nicht die Ausnahme: Die News-App schickt eine Push-Meldung und der Benachrichtigungston ist nicht ausgestellt; bei Spotify nur schnell ein Lied anstellen und die Twitter-App sagt, dass es fünf Interaktionen gegeben habe; nur mal schnell ein Foto machen, ach, da sind neue ungelesene WhatsApp-Nachrichten – schon bleibt der Erwachsene am Gerät hängen. Da das Smartphone mit seinen unzähligen Funktionen in beinahe allen Alltagssituationen eingesetzt wird, ergeben sich permanent solche Gelegenheiten. Viele Anwendungen sind zudem so gestaltet, dass sie die Nutzer auf Trab halten. „Das ist vor allem für Eltern ein großes Problem, die ohnehin Schwierigkeiten mit ihrer Selbstkontrolle haben“, sagen McDaniel und Radesky.

Natürlich gehört es dazu, dass sich Eltern mal ausklinken. Aber eben nicht dauernd

Das ständige Handygedaddel beeinträchtigt nicht nur die Kinder, sondern auch die Eltern. Je mehr sie sich mit dem Gerät widmen, desto schwerer fällt es ihnen, ihre Kinder zu verstehen. In entsprechenden Experimenten stellten die Intentionen und Stimmungen der Kleinen Smartphone-Eltern oft vor Rätsel. Wer sich weniger auf seine Kinder einlässt, bekommt eben auch schwerer Zugang zu ihnen.

Natürlich gehört es dazu, dass sich Eltern auch ausklinken, bevor sie sich wieder zwischen den Ansprüchen der Familie zerreiben. Doch alles zu seiner Zeit und nicht chronisch. Das Absurde nämlich ist, dass Eltern heute mehr Zeit denn je mit ihren Kindern verbringen – aber oft nur körperlich, nicht emotional. Denn ständig quengelt dieses kleine Gerät, von dem sich die meisten von uns so schwer lösen können.

 

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Süddeutsche Zeitung Nr. 122, Mittwoch/Donnerstag, 30./31. Mai 2018
von Simon Hurtz


Sleep: How Devices Disturb Rest (on request)

By NICHOLAS BAKALAR, New York Times, 29.5.18

Bedtime reading with a tablet or smartphone can interfere with a good night’s sleep, some studies and many anecdotal reports suggest. Now researchers have conducted a small experiment to test the idea. Scientists had nine people spend 10 nights in a sleep laboratory. For five consecutive nights, they read before sleep with an iPad; then they read print for five nights. In both scenarios, they read in a dimly lit room until they felt ready to go to sleep. The experiment, described in Physiological Reports, found that when people used iPads instead of reading print, they selected a later bedtime and had a later sleep onset. They also had suppressed levels of melatonin, the hormone that regulates sleep, and delayed time to melatonin secretion. Periods of REM sleep — the rapid eye movements of the dreaming stage of sleep — were reduced when they used the iPad rather than printed material. The volunteers also reported feeling less sleepy in the evening, and less alert in the morning after using the electronic device. “These devices are not benign,” said a co-author of the study, Jeanne F. Duffy, a neuroscientist at Brigham and Women’s Hospital in Boston. “They have biological effects on us. They can be bad for adults, but really bad for kids and adolescents who already don’t get enough sleep.”


Techno teachers: Finnish school trials robot educators

TAMPERE, Finland (Reuters) - Elias, the new language teacher at a Finnish primary school, has endless patience for repetition, never makes a pupil feel embarrassed for asking a question and can even do the “Gangnam Style” dance. Elias is also a robot.

The language-teaching machine comprises a humanoid robot and mobile application, one of four robots in a pilot program at primary schools in the southern city of Tampere.

The robot is able to understand and speak 23 languages and is equipped with software that allows it to understand students’ requirements and helps it to encourage learning. In this trial however, it communicates in English, Finnish and German only.

The robot recognizes the pupil’s skill levels and adjusts its questions accordingly. It also gives feedback to teachers about a student’s possible problems.

Some of the human teachers who have worked with the technology see it as a new way to engage children in learning.

“I think in the new curriculum the main idea is to get the kids involved and get them motivated and make them active. I see Elias as one of the tools to get different kinds of practice and different kinds of activities into the classroom,” language teacher Riika Kolunsarka told Reuters.

“In that sense I think robots and coding the robots and working with them is definitely something that is according to the new curriculum and something that we teachers need to be open minded about.”

Elias the language robot, which stands around a foot tall, is based on SoftBank’s NAO humanoid interactive companion robot, with software developed by Utelias, a developer of educational software for social robots.

The Maths robot - dubbed OVObot - which is a small, blue machine around 25 cm (10 inches) high and resembles an owl, was developed by Finnish AI Robots.

The purpose of the pilot project is to see if these robots can improve the quality of teaching, with one of the Elias robots and three of the OVObots deployed in schools. The OVObots will be trialled for one year, while the school has bought the Elias robot, so its use can continue longer.

Using robots in classrooms is not new - teaching robots have been used in the Middle East, Asia and the United States in recent years, but modern technologies such as cloud services and 3D printing are allowing smaller start-up companies to enter the sector.

“Well, it is fun, interesting and exciting and I’m a bit shocked,” pupil Abisha Jinia told Reuters, giving her verdict on Elias the language robot.

Despite their skills in language and mathematics however, the robots’ inability to maintain discipline amongst a class of primary school children means that, for the time being at least, the human teachers’ jobs are safe.


Das Hirn ist kein Computer, es braucht auch Fresszellen!

Geradezu umstürmt: eine Mikrogliazelle (rot), umgeben von Filopodia (grün). – (c) L. Meinhard, EMBL Rom
Geradezu umstürmt: eine Mikrogliazelle (rot), umgeben von Filopodia (grün). – (c) L. Meinhard, EMBL Rom

Von Thomas Kramar, Salzburger Nachrichten 27.03.2018

Gliazellen im Gehirn sind mehr als Stütz- und Bindematerial: Manche von ihnen, die Mikroglia, eigentlich Fresszellen, arrangieren die Synapsen neu, indem sie an ihnen knabbern. Forscher am EMBL in Heidelberg konnten das jetzt sogar filmisch dokumentieren.

Über künstliche Intelligenz wird derzeit wieder einmal viel geredet. Und man wundert sich genauso darüber, dass der – nicht einmal als Metapher akzeptable – Vergleich des Gehirns mit einem Computer noch immer grassiert, wie darüber, dass manche Essayisten offenbar glauben, dass eine direkte physische Verbindung von Chips zu Neuronen in naher Zukunft machbar sein wird.

Wie sehr das Gehirn ein typisch biologisches, von einem digitalen Computer grundlegend verschiedenes System ist, illustriert eine in Nature Communications (26. 3.) erschienene Arbeit von Hirnforschern am European Molecular Biology Laboratorium (EMBL) in Heidelberg. Sie haben erstmals – durch eine Kombination von Elektronen- und Lichtmikroskopie – filmisch festgehalten, wie Mikrogliazellen helfen, die Synapsen, die Verbindungen zwischen den Nervenzellen, zu formieren und zu arrangieren.

Mikroglia sind ein spezieller Typ von Gliazellen, zu diesen rechnet man alle Zellen im Nervengewebe, die nicht eigentliche Nervenzellen (Neuronen) sind. Von ihnen gibt es immerhin neunmal so viele wie von den Neuronen. Einst schrieb man ihnen nur eine Stütz- und Bindefunktion zu – ihr Name kommt vom griechischen Wort für Leim –, doch die Hirnforscher kommen immer mehr darauf, dass sie auch funktionelle Rollen spielen, so isolieren sie die Neuronen elektrisch, sie ernähren sie und entsorgen die chemischen Botenstoffe (Neurotransmitter), mit denen sie kommunizieren.

Andere Aufgaben haben die Mikroglia, die an die 20 Prozent der Gliazellen stellen. Sie gehören zum Immunsystem, sind mit den Makrophagen verwandt, den Fresszellen, die eingedrungene Mikroorganismen vertilgen. Auch die Mikroglia erkennen und beseitigen potenziell pathogene Substanzen. Schon länger vermuten Hirnforscher, dass sie auch Synapsen fressen, selektiv natürlich, und so zur Entwicklung des Hirns beitragen. Die Bilder, die die EMBL-Forscher vom Gewebe aus dem Hippocampus (ein fürs Gedächtnis wichtiges Hirnareal) von Mäusen machen konnten, zeigen ein zarteres, subtileres Szenario: „Die Mikroglia fressen an den Synapsen, aber sie fressen sie nicht auf, sie eliminieren sie nicht“, sagt Cornelius Gross vom EMBL. In diesem Sinn sprechen die Forscher von partieller Phagozytose oder von Trogocytose, vom griechischen Wort für Knabbern: Die Mikroglia knabbern sich die Synapsen sozusagen zurecht, und zwar jeweils nur auf der präsynaptischen Seite – an dem Neuron, das Neurotransmitter aussendet – nicht auf der postsynaptischen, wo die Neurotransmitter gebunden werden. Das Neutron an dieser Seite der Synapse reagiert dafür auf die Mikroglia mit der Bildung von Filopodia, von „kleinen explorativen Auswüchsen“, wie es Cornelius Gross ausdrückt: „Das ist den Laien wahrscheinlich nicht bewusst: Synapsen schauen sich dauernd nach etwas Neuem um. Das macht das Hirn so flexibel.“ So sind Mikroglia wesentlich an der strukturellen Plastizität des Gehirns beteiligt – und damit an dem, was dieses besser kann als jeder Computer: nämlich Neues lernen.


Ein Artikel über die digitale Überwachung.
Peter Hensinger


Wie Datenhunger, Profitsucht, Konsumrausch und Bequemlichkeit die Gesundheit verdrängen.
Peter Hensinger


Ein Vortrag zu den Bestrebungen von Google, Apple, Microsoft, Bertelsmann und der Telekom, die Bildung in die Hand zu bekommen. Und warum fast keiner diese Unterwanderung bemerkt.
Peter Hensinger, M.A.


Big tech companies avoid taxes and have taken over our lives and created monopolies – but what can we do about it and how much change do we really want?

By Douglas Heaven, 7 February 2018, www.newscientist.com


Insider warnen

"Facebook ist ein Tatort"

Sie waren Investoren und Berater - jetzt wenden sich Tech-Größen aus dem Silicon Valley gegen Facebook und Co. Sie wollen gegen die negativen Auswirkungen sozialer Netzwerke vorgehen.

Von Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles
www.tagesschau.de, 07.02.2018



6. Februar 2018, www.sueddeutsche.de


By DAVID GELLES  Jan. 8, 2018 (www.nytimes.com)


A report prepared for Children’s Commissioner for England by Sonia Livingstone, Gerison Lansdown and Amanda Third, LSE Consulting. (April 2017)


Erfolgreicher Unterricht ist digital – aber nicht ausschließlich
Pressemitteilung, Technische Universität München, 12.12.2017


Einsatzmöglichkeiten, Umsetzung und Wirksamkeit
Delia Hillmayr, Frank Reinhold, Lisa Ziernwald, Kristina Reiss
Zentrum für internationale Bildungsvergleichsstudien (ZIB)
Technische Universität München (TUM)


Wenn wir an den Daten zappeln – die digitale Welt frisst ihre Kinder
Gastkommentar von Peter Strasser, Neue Züricher Zeitung, 06.01.2018


Unser Europa-Engagement für Sie, für dich -

https://eliant.eu/aktuelles/newsletter/  


01. Dezember 2017, Süddeutsche Zeitung



Minth Schredle (taz 25. November 2017)





Computerspiele reduzieren Gehirnvolumen

Von Susanne Kressenstein

Das Gehirn von Menschen, die viel Zeit mit Online-Computerspielen verbringen, zeigt ein geringeres Volumen des orbitofrontalen Kortex. Das zeigt der Vergleich von Gehirnen von regelmäßigen Spielern und Nicht-Computerspielern. Laut den Ergebnissen einer aktuellen Studie ist das reduzierte Hirnvolumen nicht Voraussetzung für passioniertes Spielen sondern die Folge.

Für dieses Ergebnis untersuchten Forscher aus Ulm im Rahmen einer Längsschnittstudie 119 Erwachsene. 41 Personen davon waren passionierte Onlinespieler, 78 hatten bis dato keine Erfahrungen mit Onlinespielen gemacht. Diese Anfänger wurden in zwei Gruppen eingeteilt. Die eine Hälfte sollte sechs Wochen lang jeden Tag mindestens eine Stunde das Computerspiel „World of Warcraft“ (zugelassen für Kinder ab zwölf Jahren) spielen, die andere Hälfte sollte nicht spielen und bildete damit die Kontrollgruppe. Zu Beginn und am Ende wurden bei allen Teilnehmer eine Magnetresonanztomografie durchgeführt.

Verglichen die Forscher die Scans von den erfahrenen Spielern mit den Nicht-Spielern zeigte sich bei den Spielern ein geringeres Volumen des orbitofrontalen Kortex. Interessanterweise nahm während des Untersuchungszeitraums auch bei den Neuspielern die graue Substanz im orbitofrontalen Kortex ab.

Dieser Bereich befindet sich im Großhirnrindengebiet direkt über der Augenhöhle und gehört zum Frontallappen, der für die Kontrolle von Emotionen verantwortlich ist. Man nimmt an, dass der orbitofrontalen Kortex eine wichtige Rolle beim Korrigieren der Bewertung emotionaler Stimuli spielt, das heißt wichtig für erlernte Emotionen ist. Daher kann man ihn in gewisser Weise als Sitz ethischer Empfindung bezeichnen.

(Medizinische Nachrichten vom 23. November 2017)



“A new study shows that students learn way more effectively from print textbooks than screens”

http://uk.businessinsider.com/students-learning-education-print-textbooks-screens-study-2017-10?r=US&IR=T



Bürger wollen Computer und Wlan in den Schulen – aber nicht in Kitas

München – Das hat der fünf Milliarden Euro teure Digitalpakt der Bildungsministerin, für den es reichlich Absichtserklärungen und noch keinen einzigen realen Euro gibt, immerhin noch vor der Bundestagswahl geschafft: Alle reden von der Digitalisierung der Schulen, die Johanna Wanka (CDU) vorantreiben will. 80 Prozent der Bevölkerung begrüßen es, dass der Bund sämtliche Schulen mit Breitband-Internetzugang, Wlan und Computern ausstattet, nur 14 Prozent lehnen dies ab. Das geht aus dem am Donnerstag in Berlin vorgestellten ifo-Bildungsbarometer hervor, einer jährlichen Umfrage unter mehr als 4000 Erwachsenen.

Noch größer ist das Ja zur Vermittlung von Digital- und Medienkompetenzen: 90 Prozent finden, das müsse die weiterführende Schule leisten, 55 sehen schon die Grundschule in der Pflicht. Dass beides nur klappen kann, wenn Lehrerinnen und Lehrer selbst fit im Internet und am Computer sind, ist ebenfalls den meisten klar: Acht von zehn Befragten befürworten es, Lehrkräfte zu jährlichen Fortbildungen zu verpflichten. Zu dieser Einsicht könnte auch das hohe Durchschnittsalter der Lehrer in Deutschland beitragen: Laut aktuellem OECD-Bericht ist beinah jeder zweite jenseits der Fünfzig – weit davon entfernt ein sogenannter Digital Native zu sein.

Die Zahlen lesen sich so, als würde Christian Lindner offene Türen einrennen. Auf einem Wahlplakat der FDP posiert der Spitzenkandidat mit Smartphone und Kopfhörern nämlich neben dem pink eingefärbten Spruch: „Digital first. Bedenken second.“ Ganz so unbesorgt mögen sich die Deutschen der Digitalisierung des Alltags jedoch nicht überantworten, zumindest nicht, wenn es um ihre Kinder und die Nutzung von Smartphones im Unterricht geht: Lediglich 42 Prozent der Bevölkerung möchten, dass Schüler ab der siebten Klasse ihr Handy für schulische Zwecke nutzen dürfen, 52 Prozent sind dagegen. Da schon heute viele Lehrer eine solche Nutzung erlauben, beispielsweise um Vokabeln in dem auf dem Smartphone installierten Offline-Wörterbuch nachschlagen zu lassen, könnte diese Meinungsäußerung ein gewisses Konfliktpotenzial im weiteren Prozess der Digitalisierung ankündigen. Weniger skeptisch beurteilen die Umfrageteilnehmer die Möglichkeit, über bevorstehende Tests, Hausaufgaben oder Prüfungsergebnisse von der Schule digital informiert zu werden: Nur ein Viertel lehnt das ab.

Wie viel Unterrichtszeit sollten Schüler mit selbständigen Arbeiten am Computer verbringen? Für diese Frage hält das Barometer deutliche höhere Werte als noch vor zwei Jahren bereit. 25 Prozent finden, dass mindestens die Hälfte der Unterrichtszeit so verwendet werden sollte; zwei Drittel sind der Meinung, es müssten mindestens 30 Prozent sein. Nur vier von hundert Befragten lehnen es ab, dass Schüler im Unterricht überhaupt vorm PC sitzen.

Die Kita wünschen sich Dreiviertel der Bürger dagegen als Schonraum: ganz ohne digitale Kompetenzen. Susanne Klein

(SZ vom 15.09.2017)



Dr Aric Sigman reports on the growing evidence of excess screen use and its potentially serious negative effects on young people’s mental health.

HUMAN GIVENS JOURNAL VOLUME 24, NO.2 – 2017









Ingo Leipner auf N24: Warum Bildschirme Kinder am Lesen hindern

Teil 1

Teil 2


Petition und offener Brief an die KultusministerInnen der Bundesländer in Deutschland

http://www.aufwach-s-en.de/2017/06/ob_kmk_irrweg-der-bildungspolitik/



Learning in relationships

(Thomas Fuchs, Prof. Dr. med. Dr. phil., University Clinic Heidelberg, 2014) 

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Lernen in Beziehungen

(Thomas Fuchs, Prof. Dr. med. Dr. phil., University Clinic Heidelberg, 2014) 

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The virtual other

(Thomas Fuchs, Prof. Dr. med. Dr. phil., University Clinic Heidelberg, 2013) 

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Der Schein des Anderen

(Thomas Fuchs, Prof. Dr. med. Dr. phil., University Clinic Heidelberg, 2013) 

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Tom Butler, Professor für Geschäfts Informations-Systeme an der Universität in Cork


Ein Interview mit Maria Luisa Nüesch, Präsidentin des Vereins Spielraum-Lebensraum e.V.


Hat der Konsum Digitaler Medien ähnliche Auswirkungen bei Kindern, wie der Konsum von Kokain?

Ein interessantes Video geht der Frage nach, in wieweit Technologie unsere Kinder in "Digital Junkies" verwandelt. Schauen Sie selbst:

Quelle:
https://www.facebook.com/HealthForAllKids/videos/301316260295203/


wie ZEIT ONLINE am 29.05.2017 berichtet:

"Unkonzentriert, hyperaktiv, sprachverzögert: Die übermäßige Nutzung digitaler Medien schadet Kindern, belegt eine Studie. Und fordert von den Eltern mehr Fürsorge.

Die intensive Nutzung digitaler Medien kann bei Kindern zu Entwicklungsstörungen führen. Dies ist das Ergebnis der Blikk-Medien-Studie 2017, die die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), vorgestellt hat. Vollständig veröffentlicht wird die Studie allerdings erst in einigen Monaten. Die Risiken reichen demnach von Fütter- und Einschlafstörungen bei Babys über Sprachentwicklungsstörungen bei Kleinkindern bis zu Konzentrationsstörungen im Grundschulalter. Je höher der Medienkonsum ist, desto ausgeprägter treten laut Kinder- und Jugendärzten die genannten Auffälligkeiten auf."

Quelle:
http://www.zeit.de/gesellschaft/familie/2017-05/digitale-medien-smartphone-kinder-gesundheitsrisiken-blikk-medien-studie

Ebenso SPIEGEL ONLINE berichtet am 29.05.2017 über die Blikk-Medien-Studie 2017

Quelle:
http://www.spiegel.de/gesundheit/schwangerschaft/blikk-studie-die-meisten-kita-kinder-spielen-taeglich-auf-dem-smartphone-a-1149674.html

Auch mdr AKTUELL ONLINE greift die gleiche Studie auf.

Quelle:
http://www.mdr.de/nachrichten/ratgeber/medienkonsum-internet-kinder-jugendliche-smartphones-studie-blikk-empfehlungen-mortler-100.html

Auswirkungen der Handystrahlung


GEMEINSAMES POSITIONSPAPIER der Zyprischen Ärztekammer, der Österreichischen Ärztekammer und der Ärztekammer für Wien sowie des Zyprischen Nationalen Komitees für Umwelt und Kindergesundheit (Cyprus National Committee on Environment and Children’s Health = CNCECH)
November 2017

Ratgeber


Jane E. Brody Jan. 9, 2017 (New York Times)

"The many men, women and children who spend their days glued to their smartphones and social media accounts might learn something from Lin-Manuel Miranda, creator of the groundbreaking megahit “Hamilton.” Asked in an interview with Delta Sky magazine when and where he finds time to be creative, Mr. Miranda, an avid reader of books and enthusiast for unfettered downtime, replied: “The good idea comes in the moment of rest. It comes in the shower. It comes when you’re doodling or playing trains with your son. ‘Hamilton’ forced me to double down on being awake to the inspirations of just living my life.”"

https://www.nytimes.com/2017/01/09/well/live/hooked-on-our-smartphones.html?_r=0


Digitale Verrohung?: Was die Kommunikation im Netz mit unserem Mitgefühl macht

von Gina Schad (2017)


The 7 Habits of Highly Effective Teens: The Miniature Edition

Sean Covey (2003)


Abschalten, bitte: Es täte der Seele gut, kaum einer schafft es: zumindest an freien Tagen mal das Handy in Ruhe zu lassen. Ein Ratgeber zur digitalen Entgiftung

Von Christina Berndt

Neulich auf dem Weg zur Arbeit das Handy zu Hause liegen gelassen? Noch mal zurückgegangen, um es zu holen? Schon gut, das heißt noch nichts. Man muss ja heute nicht mehr fürchten, für süchtig erklärt zu werden, nur weil man wegen seines Handys einiges auf sich nimmt. Nicht mal mehr schämen muss man sich dafür, wie noch vor zwei Jahren, als nur jeder Dritte in einer Umfrage in US-Haushalten eher drucksend einräumte, er würde sein zu Hause vergessenes Smartphone auf jeden Fall holen. Egal, wie lang der Weg ist.

„Smombies“, Smartphone-Zombies, war mal ein Begriff für junge Leute, die es nicht lassen können, ständig ihre Handys anzutatschen, inzwischen sind fast alle Menschen Smombies, außer ein paar sehr technikreservierten Zeitgenossen vielleicht, die das Internet für eine neue Erfindung halten und von „Schlautelefonen“ reden, wenn sie Smartphones meinen. Die Vorstellung jedenfalls, man würde in eine kurze Auszeit fahren, wie das in diesen Tagen viele machen, und hätte das Handy aus Versehen zu Hause gelassen, mag man sich kaum weiter ausmalen. Zu schmerzhaft wäre es für alle, die noch Empathie haben. Also alle, die manchmal Mitleids-Emojis versenden.

Ganze 18 Minuten. Dann geht es nicht mehr. Länger hält es der Durchschnitts-Handybesitzer nicht aus, ohne auf sein Smartphone zu schauen. 88-mal am Tag, so hat es der Informatikprofessor Alexander Markowetz von der Universität Bonn ausgerechnet, unterbrechen die Deutschen das, was sie gerade tun, um auf ihrem Handy etwas zu lesen, eine Nachricht zu schreiben oder jemandes Einlassung gut zu finden.

Aber, keine Sorge, dies soll jetzt nicht einfach ein Aufruf zu einem langen Wochenende ohne Handy werden. Lassen Sie Ihr Smartphone zu Hause liegen! Drehen Sie nicht um! Und versuchen Sie, Ihre Daumen mal vier Tage lang stillzuhalten!

Die digitale Welt ist ja etwas Wunderbares. Und alles, was Kulturpessimisten dem Internet vorwerfen – dass es das Lesen torpediere, Hasstiraden Vorschub leiste und Menschen verdumme –, das konnten die guten alten Boulevardblätter, Dorfstammtische und Pseudo-Enthüllungsbücher ganz genauso. Lasst uns also unser Handy streicheln, weil wir uns mit ihm schnell und unmittelbar Wissen aneignen, uns im Internet entlegene Expertenaufsätze beschaffen oder Videos des frühen Fats Domino, Gott hab ihn selig, anschauen können. Niemand möchte mehr für eine Überweisung am Bankschalter anstehen, mit Telefonnummern bei der Auskunft geholfen werden oder Fakten mithilfe der 20Jahre alten Brockhaus-Ausgabe im Wohnzimmerregal überprüfen müssen.

Und doch ist dies ein Plädoyer für einen gemäßigten Umgang mit dem Digitalen. Ein Aufruf für eine neue Kultur, zu der möglichst jeder sein Bit-chen beiträgt. Denn es wäre schon besser, das muss man auch als echter Internet-Fan einräumen, wenn Menschen ihre Smartphones nicht, wie Wissenschaftler gezählt haben, 2617-mal pro Tag berühren würden. Während Eltern den Zugriff ihrer Kinder oft noch begrenzen, wissen sie nicht so recht, welche Grenzen für sie selbst gut wären. Das Handy begleitet sie ständig, es wandert vom Frühstückstisch über den Schreibtisch auf den Nachttisch. Und unbeachtet liegt es da nie.

„Nie abschalten zu können, ist aber Gift für die psychische Gesundheit“, sagt Klaus Lieb, Direktor der Psychiatrischen Klinik an der Universität Mainz. Er beklagt, dass „uns heute oft die Inseln der Erholung in unserem Alltag fehlen“. Das Smartphone hat die reinigende Langeweile abgeschafft. Man hat keine Pausen mehr. Keine Zeiten, zu denen man ins Leere starrt. Dass das nicht guttut, merken die meisten Menschen auch selbst. „Ständige digitale Erreichbarkeit“ gaben in einer Umfrage der Techniker-Krankenkasse vor einigen Monaten 28 Prozent der Befragten als Stressfaktor an. Es wäre also gut, mal wieder den Stecker vom Smartphone zu ziehen, bevor die Seele den Stecker zieht.

Dass endloser Handykonsum krank machen kann, ist ja keine Frage. Psychiater haben bereits neue Phänomene beschrieben wie die „Nomophobie“ für No-Mobile-Phone-Phobia – die Angst davor, ohne Handy zu sein. Oder „Fobo“, die Angst, offline zu sein: Fear of being offline. Wenn der Psychotherapeut Andreas Hillert von der Schön-Klinik Roseneck am Chiemsee über Patienten spricht, die ohne Unterlass übers Display streicheln, sieht er dahinter eine Angst, etwas zu verpassen, sich allein und leer zu fühlen. „Das Smartphone wird zum Objekt, das symbolisiert, mit allen verbunden zu sein.“ Ständig erhält man Feedback in Form von Botschaften, Likes und Kommentaren. Das aktiviert das Belohnungszentrum im Gehirn, das bald immer mehr davon will. „Soziale Netzwerke suggerieren, eingebunden zu sein“, sagt Hillert.

Das Schlimmste aber ist, dass die ständige Ablenkung auf Dauer die Aufmerksamkeit reduziert. Schon wenn man nur erwartet, dass bald eine Nachricht eintrifft, stört das unsere Konzentration, sagt der Braunschweiger Neurobiologe Martin Korte. Nach dem Lesen einer Mail braucht man Minuten, um sich wieder vollständig auf das zu konzentrieren, was man vorher gemacht hat. Der Mensch ist nur bedingt zum Multitasking befähigt. Es stresst ihn, wenn er auf mehreren Kanälen unterwegs ist.

Am Ende macht das ständige Daddeln aggressiv, unruhig, fahrig – und unzufrieden. Im „Flow“ hingegen befinden sich Menschen, die sich konzentriert einer Beschäftigung widmen und in ihr aufgehen. Deshalb genießt man Filme im Kino stärker als zu Hause – weil man eben nebenher nur Popcorn isst und nicht noch im Internet surft. Was würde nur der französische Mathematiker und Philosoph Blaise Pascal über uns denken, der schon im 17.Jahrhundert schrieb: „Alles Unglück der Menschen kommt davon her, dass sie nicht verstehen, sich ruhig in einer Stube zu halten.“ Wir haben uns inzwischen die ganze Welt in dieses Zimmer geholt.

Nicht umsonst wächst die Sehnsucht, mal wieder „unplugged“ zu sein. Die Internet-Askese, das „Digital Detox“, ist zu einem Modebegriff geworden, an dem nicht einmal mehr das Oxford Dictionary vorbeikommt. Viele Menschen sehnen sich danach, den ständigen Avancen ihres Smartphones zu widerstehen, wieder Raum für abschweifende Gedanken zu haben und mal wieder Blicke und Berührungen zu genießen statt der kurzen Aufmerksamkeitszuwendung, die aufploppende Nachrichten bedeuten. Deshalb wurde der Internet-verzicht neben Alkohol und Schoko-Abstinenz schon fest ins vorösterliche Fastenprogramm aufgenommen.

Das Problem ist nur: Zurück im Alltag wird sich nicht viel ändern. Ein Wochenende am See ohne Handy? Das ist nur Entgiftung auf Zeit. Aber das Leben geht ja weiter, und das Leben ist heute nun mal digital. Langfristige Strategien sind nötig, um sich den Diät-Effekt zu bewahren. Und eben dafür braucht es eine neue Kultur.

Die Digitalisierung prägt das Menschsein mehr als jede andere Erfindung der neueren Zeit. Nur weiß der Homo digitalis noch nicht so recht, wie er damit umgehen soll. Der Internetsoziologe Stephan Humer von der Hochschule Fresenius in Berlin ist der modernen Entwicklung keineswegs abgeneigt. Aber er betont auch: „Es fehlt uns an sozialen Normen für den Umgang mit der digitalen Welt.“ Jeder Mensch, so Humer, „sollte seine Bedürfnisse prüfen und sich fragen: ,Wann möchte ich erreichbar sein, wann nicht?‘“

In einer seelenfreundlichen Digital-Kultur würden Offline-Zeiten zum guten Ton gehören. Dann würde man, wenn man denn schon beschließt, abends nach Feierabend noch eine Mail an die Kollegen zu formulieren, verzögert versenden, sodass die Mail erst zu Bürozeiten ankommt. Man müsste sich schämen für digitale Belästigung am Feierabend, wie jemand der zu viel Alkohol trinkt oder Pelz trägt.

Eine zarte Bewegung in diese Richtung gibt es schon. Während in vielen Betrieben Mitarbeiter Abwesenheitsagenten installieren, wenn sie nur mal einen Tag nicht im Büro sind („Ich bin heute unterwegs“), ist es an Universitäten gerade en vogue, unter die Mail zu schreiben, dass man „als Beitrag zur Entschleunigung unserer Zeit“ abends nach 19 Uhr und am Wochenende keine beruflichen Mails mehr versenden und beantworten werde. Manchmal folgt der pädagogische Hinweis: „Vielleicht machen Sie ja mit?“

So könnte sich tatsächlich eine Gegenbewegung zur digitalen Sklaverei entwickeln, wie sie der Politikwissenschaftler André Wilkens in seinem Buch „Analog ist das neue Bio“ prophezeit hat. Wer es sich leisten kann, ist eben nicht mehr ständig verfügbar, und er geht auf Flohmärkte statt auf Ebay, um altes Zeug zu kaufen.

Ungehörig wäre es dann auch, Handys auf Tische zu legen, an denen mehr als ein Mensch sitzt. Schon wenn ein Handy nur daliegt, kann das nämlich das Gespräch stören, sagt die Hamburger Philosophin Ina Schmidt. Es ist ein klares Zeichen: Es könnte jederzeit sein, dass etwas wichtiger wird als das Gespräch mit dem Gegenüber. „Das Handy suggeriert, dass mir die Aufmerksamkeit nicht ungeteilt zur Verfügung steht“, sagt Schmidt. „Disconnect to reconnect“, empfiehlt deshalb auch die Soziologin Sherry Turkle vom Massachusetts Institute of Technology. „Wir sollten stärker darüber nachzudenken, wie wir miteinander kommunizieren wollen.“

Die Überzeugung, als teilanaloges Wesen den Nonstop-Nutzern moralisch überlegen zu sein, ist gewiss Motivation. Am besten aber funktioniert auch digitales Fasten immer noch mit klaren Regeln, denn der Geist ist oft schwächer als die Anziehungskraft des Touchscreens. Und kalkuliert Schwierigkeiten mit ein. Wer sich nur schwammig vornimmt, „weniger aufs Handy zu gucken“, wird scheitern. Zu viel Optimismus kann hemmen, sagt die Psychologin Gabriele Oettingen, die an der New York University zum Thema Erwartungen forscht. In ihren Tests waren Menschen motivierter, die zwar auf einen Erfolg hofften, aber Schwierigkeiten konkret vor Augen hatten und sich überlegten, wie sie diese umschiffen können. Man kann sich zum Beispiel sagen: Ja, ich möchte am Wochenende nicht mehr ständig Job-Mails lesen, aber ich finde das ja auch ganz unterhaltsam. Da helfen nur einschneidende Maßnahmen, wie den beruflichen Mail-account vom Handy zu löschen. Das mag man albern finden, aber wie gut Kontrolle bei der Einhaltung guter Vorsätze hilft, haben schon die Weight Watchers bewiesen.

Auch feste Zeiten fürs Smartphone sind eine klare Strategie, womöglich unterstützt durch Apps, die einen nur zu bestimmten Zeiten an manche Anwendungen lassen. Das Smartphone abends erst gar nicht mitnehmen, wenn man sich mit Freunden trifft. E-Mails und Nachrichten nicht einzeln, sondern im Schwung beantworten – morgens, mittags und abends etwa. Man ist ja früher auch nicht 150-mal am Tag zum Briefkasten gelaufen. Nicht gleich auf jede Nachricht reagieren. Das Handy nicht als Wecker benutzen, denn dann bekommt man schon beim Aufwachen die ersten Nachrichten aufgedrängt, anstatt sich die Chance zu geben, eigene Gedanken zu entwickeln. Und ganz wichtig: Weg mit den Push-Nachrichten, denn die stören, selbst dann, wenn man sich dagegen entscheidet, sie sofort zu lesen.

Wer Angst um seine Produktivität hat, kann sich mit der Forschung trösten: Menschen, die am Wochenende ihre Freizeit genießen, starten mit mehr Elan in die Woche, hat die Arbeitspsychologin Sabine Sonnentag von der Universität Mannheim beobachtet. Sie sind engagierter und ergreifen auch häufiger selbst die Initiative für neue Projekte. Auch sind sie zufriedener und haben weniger Symptome von psychischen Krankheiten. „Je stärker sich Arbeitnehmer in Gedanken von ihrer Arbeit lösen können, desto ausgeruhter und weniger gereizt sind sie am nächsten Morgen“, sagt Sonnentag. Abschalten erfordert im Internet-Zeitalter eben vor allem eines: Abschalten.

(SZ vom 28.10.2017)

Bücher

Das Gehirn - ein Beziehungsorgan - Eine phänomenologisch-ökologische Konzeption

Thomas Fuchs (2010)


Das Gehirn ist nicht einsam: Resonanzen zwischen Gehirn, Leib und Umwelt

Hans Jürgen Scheurle (2013)


WEQ More Than TR – Abschied von der Ich-Kultur

Peter Spiegel (2015)


Life 3.0: Being Human in the Age of Artificial Intelligence

Max Tegmark (2017)


Our Final Invention: Artificial Intelligence and the End of the Human Era

James Barrat (2013)


Virtually Human: The Promise―and the Peril―of Digital Immortality

Martine Rothblatt (2015)


The Fourth Industrial Revolution

Klaus Schwab (2016)


Sie wissen alles: Wie intelligente Maschinen in unser Leben eindringen und warum wir für unsere Freiheit kämpfen müssen

Yvonne Hofstetter (2014)


Das Ende der Demokratie: Wie die künstliche Intelligenz die Politik übernimmt und uns entmündigt

Yvonne Hofstetter (2016)


Reclaim Autonomy: Selbstermächtigung in der digitalen Weltordnung

Jakob Augstein, Hrsg. (2017)


Ego: Das Spiel des Lebens

Frank Schirrmacher (2013)


On the Origin of Autonomy: A New Look at the Major Transitions in Evolution (History, Philosophy and Theory of the Life Sciences)

Bernd Rosslenbroich (2014)


Reclaiming Conversation: The Power of Talk in a Digital Age

Sherry Turkle (2015)


Alone Together: Why We Expect More from Technology and Less from Each Other

Sherry Turkle (2012)


The Heart and Circulation: An Integrative Model

Branco Furst (2013)


Heart Intelligence: Connecting with the Intuitive Guidance of the Heart

Doc Childre,‎ Howard Martin,‎ Deborah Rozman,‎ Rollin McCraty (2016)


Die Philosophie der Freiheit

Rudolf Steiner


The Philosophy Of Freedom

Rudolf Steiner

Digitale Richtlinien

New European data protection rules would see companies require parental consent to handle data of those under 16, effectively blocking them from social media
Samuel Gibbs, Tue 15 Dec 2015