ELIANT steht für Menschen, die in einem Europa mit kultureller Vielfalt und freier Wahlmöglichkeit leben wollen:

in Erziehungsfragen, Wirtschafts- und Sozialreformen, ökologischer Landwirtschaft, Komplementär- und Integrativmedizin.

Bündnis für humane Bildung

Unsere Forderungen an die Bildungspolitik zum Erhalt notwendiger Wahlmöglichkeiten

Wir wollen erreichen, dass echte Wahlmöglichkeiten erhalten bleiben:

  • Kindergärten und Grundschulen müssen das Recht und die Freiheit haben, nur mit analogen Medien zu arbeiten. Bildschirmfreie Einrichtungen dürfen nicht vernachlässigt und weniger gut finanziert werden. Die Autonomie der Kindergärten und Schulen ist durch größtmögliche Entscheidungsfreiheit vor Ort zu stärken.
  • Öffentliche Gelder sind auch in die gute Ausbildung von Pädagogen und eine kindgerechte Gestaltung der Umgebung zu investieren. Pädagogen sollen selbst kompetente Nutzer werden, damit sie bei einer problematischen Mediennutzung Familien unterstützen können.
  • Es muss für Schulen und Eltern möglich bleiben, eine Form der Medienerziehung zu wählen, die sich an der kindlichen Entwicklung zu orientiert, z. B. analoge Methoden wie „CS unplugged“ (ein Lehrprogramm, das wesentliche Funktionen aus der Informatik ohne Computer vermittelt). Grundlegende Elemente der Informatik wie das analytische Denken (Schachspiel!) lassen sich auch vor dem 12. Lebensjahr vermitteln. Danach kann die Beschäftigung mit der prinzipiellen Funktionsweise von Informationstechnologie komplexer werden, etwa für Interessierte durch eine Einführung in Programmiersprachen (AG o. ä.).
  • Hard- und Software kommen erst umfassend in der Oberstufe zum Einsatz (Medienkunde, -gestaltung, -nutzung und -analyse). Denn Jugendliche sind dann aus entwicklungspsychologischer Sicht eher den intellektuellen Anforderungen der Technologie gewachsen. Digitale Werkzeuge sollten dabei sinnvoll in ein pädagogisches Konzept eingebunden sein. Schwerpunkt muss immer sein, die digitalen Medien aktiv zu nutzen, z. B. Videos schneiden, Websites gestalten oder Online-Texte schreiben.
  • Zu berücksichtigen sind Forschungsergebnisse zu Auswirkungen gepulster, polarisierter Mikrowellenstrahlung, die von WLAN-Routern, Smartphones und Tablets emittiert wird. Die Forschungslage zu den gesundheitlichen Risiken elektromagnetischer WLAN-Felder (bei 2450 MHz) ist eindeutig. Es gibt keinen Grund dafür, Kindergärten und Schulen mit WLAN-Anschlüssen auszustatten und Heranwachsende dieser vermeidbaren Gefährdung auszusetzen. Es muss die Wahlmöglichkeit bestehen bleiben, Schulen technisch nur über Kabel und/oder VLC ans Internet anzuschliessen. (4)

4 Vgl. Wilke, Isabel (2018): „Biologische und pathologische Wirkungen der Strahlung von 2,45 GHz auf Zellen, Fruchtbarkeit, Gehirn und Verhalten", in: umwelt-medizin-gesellschaft 1/2018. Wilke analysiert mehr als 100 Studien, die die Gesundheits-schädlichkeit von WLAN nachweisen.

Warum halten wir diese Petition und eine Bürgerbewegung für humane Bildung für notwendig?

Das „Bündnis für humane Bildung“ (http://www.aufwach-s-en.de/) und ELIANT (www.eliant.eu) haben sich zusammengeschlossen, um diese Petition auf den Weg zu bringen. Warum sagen wir gemeinsam „Stopp“ zu einer Form der Digitalisierung, wie sie gerade scheinbar unaufhaltsam in Kindergarten und Schule abläuft?

Gerade im beginnenden digitalen Zeitalter muss sich Pädagogik am Menschen orientieren. Dazu ist es zunächst notwendig, dass Kinder in der Grundschule die klassischen Kulturtechniken erlernen: Lesen, Schreiben und Rechnen. Sie sind die Grundlage für alle weiteren Bildungsschritte, inklusive des kompetenten Umgangs mit digitalen Medien. Für die Gehirnentwicklung ist es dabei wichtig, dass Lesen und Schreiben mit analogen Methoden unterrichtet werden (Papier, Buch und Stift). Mit der Tastatur sollten Schüler erst in späteren Klassen arbeiten.

So trägt eine altersgerechte humane Bildung dazu bei, dass die späteren Erwachsenen Freiräume für sich selbst nutzen, die ihnen moderne Technologie verschafft. Diese neue gewonnene Freiheit darf nicht an die zunehmend dominante Digital-Technik verloren gehen.

Ganz klar gilt:

Wer eine intelligente Technik beherrschen will, muss vorher seine eigene Intelligenz entwickelt haben, um nicht von der Technik abhängig zu werden.

Diese Haltung entspricht alten europäischen Bildungsidealen, die das freie selbstbestimmte Individuum in den Mittelpunkt rücken. Wann und wie entfaltet sich dieser Prozess der Individuation vollständig? Ungefähr ab dem zwölften Lebensjahr beginnt eine entscheidende Phase der Gehirnentwicklung, die insbesondere wichtig für die emotionale Reifung ist. Das Stirnhirn ist für Urteilsbildung und Impulshemmung zuständig, seine Schritte der Reifung erfolgen dann weiter in der gesamten Jugendzeit. Etwa ab dem 16. Lebensjahr sind grundlegende Umstrukturierungen im Gehirn so weit abgeschlossen, dass bereits ein großer Teil der erwachsenen Urteilsfähigkeit zur Verfügung steht: Das eigenständige Denken und das selbstverantwortliche Handeln sind so weit ausgereift, dass die eigene Unabhängigkeit erprobt werden kann - auch in digitalen Welten, in denen negative Konsequenzen des Handelns oft erst mit langer zeitlicher Verzögerung auftreten. Daher hat der Gesetzgeber zum Beispiel ein Mindestalter für das Recht festgelegt, zur Wahl zu gehen oder den Führerschein zu machen. In dieser sensiblen Zeit der Gehirnreifung ist es sinnvoll und notwendig, den altersangemessenen Umgang mit den digitalen Informationstechnologien theoretisch und praktisch zu realisieren.

Ziel: Medienmündigkeit

Im Umgang mit Medien zeigt sich dieses selbstverantwortliche Handeln in einer ausgeprägten Medienmündigkeit: Sie bezieht sich auf alle digitalen und analogen Medien. Paula Bleckmann beschreibt dieses Konzept der Medienmüdigkeit: „Medienmündig werden bedeutet zuallererst, nicht die Kontrolle über unsere kostbare Lebenszeit zu verlieren. (S. 14) … Wir wollen unser Kinder nicht zu technisch versierten Maschinensklaven, sondern zu selbstbestimmten Menschen erziehen, die selbst über Ausmaß und Art ihrer Mediennutzung entscheiden können (S. 34)" (5)

Was kann ein Hindernis auf diesem wichtigen Weg der Individuation sein? Ein Bild soll das verdeutlichen: Menschen sind nicht in der Lage, durch Motorradfahren ihre Muskulatur zu trainieren. Genauso wenig sind intelligente Techniken geeignet, das Denken zu trainieren. Denn: Ein eigenständiges Denken entwickelt sich nicht im Kontext intelligenter Software, die nach klar vorgegebenen Funktionsregeln funktioniert. Sie lässt auch keinen Raum für originär-kreative Prozesse, weil sie im Sinne des Behaviorismus in vielen Fällen eher Konditionierungsprozesse auslöst (kleinteiliges Feedback, verbunden mit „instant gratifcation“, die zu einer Korrumpierung intrinsischer Motivation führen kann). (6)


5 Bleckmann, P. (2012): „Medienmündig - wie unsere Kinder selbstbestimmt mit dem Bildschirm umgehen lernen“, Klett-Cotta, Stuttgart
6 Eine ausführliche Darstellung findet sich bei Lembke, Gerald / Leipner, Ingo (2015): „Die Lüge der digitalen Bildung“, Redline, München.

Aktive Auseinandersetzung mit Zeit und Raum

Selbständiges Denken entwickelt sich durch die aktive Auseinandersetzung mit den Raum-und Zeitverhältnissen in der realen Welt. Dazu ist Zeit nötig und die existentielle Besinnung auf das Wesentliche im Leben. Denn es geht dabei ja nicht zuletzt auch um die eigene – spirituelle – Existenz, von der die digitale Unterhaltungsindustrie im großen Stil ablenkt. Dabei bleibt eine einfache Tatsache bei aller Digitalisierung bedeutsam:

Der menschliche Körper ist nicht digital, sondern gehört der realen Welt an. Er wird missbraucht, wenn er sich einer virtuellen Welt anzupassen hat - bevor der sich in ihm entwickelnde Mensch seine seelischen und geistigen Potentiale entfalten konnte. Das befürchten wir bei einer Digitalisierung von Kitas und Grundschulen.

Kein Mensch wird satt von Bits und Bytes. Genauso wenig kann ein Kind im virtuellen Raum eine gesunde körperliche, seelische und geistige Reifung vollziehen. Stichwort „senso-motorische Integration“: In den ersten Lebensjahren bildet der Mensch seine motorischen, sprachlichen und gedanklichen Fähigkeiten aus, wobei sich ebenfalls seine Sinne entwickeln. Wichtig dabei: Gleichzeitig und dadurch bedingt entstehen entscheidende Grundstrukturen seines Gehirns, die das ganze Leben prägen.

Bildschirme sind Zeitfresser

Wie wird diese gesunde Entwicklung im Kindesalter gefördert? Durch körperliche Bewegung in Spiel und Kunst, intensiven sprachlichen Kontakt mit Menschen sowie vielfältigen Anregungen zur eigenen Fantasietätigkeit. TV, Tablet und andere digitale Medien und Inhalte halten Kinder von dieser realweltlichen Entwicklung ab, denn sie behindern als „Zeitfresser“ die leiblich-seelische Entwicklung der Kinder. Viele Studien zeigen, dass Bildschirm-Konsum die kindliche Entwicklung empfindlich stört und z. B. schulische Leistungen später leiden. (7)

Diese Risiken einer frühen Digitalisierung muss eine moderne Medienpädagogik vor Augen haben. Sie hat sich an der evolutionär bedingten Entwicklung des Menschen zu orientieren - mit dem klaren Ziel, ein Leben in Freiheit und Würde möglich zu machen. Auf keinen Fall darf sie rein wirtschaftlichen und politischen Gesichtspunkten folgen, die in der öffentlichen Debatte um digitale Medien häufig dominieren.

Informationstechnologien stellen gegenwärtig den größten Wachstumsmarkt dar, wobei zunehmend der Trend zu beobachten ist, dass global operierende Bildungs- und IT-Unternehmen versuchen, das Schulwesen in einen privatwirtschaftlich beherrschten Bildungsmarkt umzubauen. „Der Bildungsmarkt hat weltweit ein Volumen von mehr als fünf Billionen US-Dollar. Knapp ein Fünftel davon entfällt auf private Anbieter, Tendenz steigend“, schreibt der Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann AG, Thomas Rabe. „Global wächst die Nachfrage nach Bildung. Und durch Digitalisierung wird Bildung verfügbarer und bezahlbarer." (8)

Diskussion um wirklich zukunftsfähige Bildung

Programme fürs E-Learning und die passende Ausstattung mit Hardware werden dabei für alternativlos erklärt, um die Zukunft mit digitalen Medien (anstatt „digitale Zukunft“) zu meistern. Die altersgemäße Entwicklung von Kindern wird übergangen, Schutzzonen werden aufgegeben und Kinder zudem noch als ökonomisch wichtige Konsumenten betrachtet. Hier möchten wir eine notwendige Alternative geltend machen und unser Konzept einer Medienpädagogik vorstellen die sich an den Entwicklungserfordernissen der Kinder und Jugendlichen orientiert. Wir wollen zu einer breitangelegten öffentlichen Diskussion um eine zukunftsfähige Bildung beitragen nach dem Motto: alles zu seiner Zeit! Dabei geht es um das gesamte Spektrum analoger und digitaler Methoden, die - zeitgerecht eingesetzt - erst eine gesunde Entwicklung der Kinder und Jugendlichen ermöglichen.


7 Die American Academy of Pediatrics (AAP) gibt in ihrem Statement eine gute Übersicht: American Academy of Pediatrics, AAP (2011): Policy Statement: Media Use by Children Younger Than 2 Years, in: http://pediatrics.aappublications.org/content/early/2011/10/12/peds.2011-1753 vom 31.08.2014 / Aktuell aus Deutschland, eine Studie im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums: Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung (2017): Factsheet zur BLIKK-Studie, in: http://www.drogenbeauftragte.de/fileadmin/dateien-dba/Drogenbeauftragte/4_Presse/1_Pressemitteilungen/2017/2017_II_Quartal/Factsheet_BLIKK.pdf vom 16.09.2017
8 Rabe, Thomas (2015): „Bildung – die dritte Säule von Bertelsmann“, Vorwort, in: https://www.bertelsmann.de/media/strategie/education/finale-dateien/education-bertelsmann-whats-your-story-de.pdf vom 11.12.2017

Um diese Ziele zu erreichen, brauchen wir eine Kulturbewegung für humane Bildung – bitte unterstützen Sie uns dabei!

Kritik der digitalen Verblendung

Warum engagiert sich das „Bündnis für humane Bildung“ für diese Petition?

Wir brauchen eine humane Bildung – statt einer Dominanz der Digital-Technik: in Kindergärten, Schulen und Hochschulen.

Viele Vertreter aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft predigen: Das Digitale sei „alternativlos“. Ohne „digitale Bildung“ drohe Deutschland abgehängt zu werden; unser Land werde international zum Verlierer. Doch kein Mensch lernt digital. Kein Weg ist „alternativlos“. Wir sind überzeugt: Bildung lässt sich nicht digitalisieren, höchstens die Lerninhalte. Daher haben wir im Jahr 2017 das „Bündnis für humane Bildung“ gegründet, um zukunftsfähige Alternativen zur „digital gesteuerten Lernfabrik 4.0“ zu entwickeln.

Chance auf eine demokratische Zukunft

Unsere Forderung: Die Bildungspolitik braucht einen neuen Kurs. Statt der einseitigen Fixierung auf Digital-Technik muss der Mensch wieder im Mittelpunkt stehen. Mit der Vielfalt seiner Lern- und Bildungsprozesse. Geben wir unseren Kindern eine Chance auf eine humane und demokratische Zukunft. Alternativen gibt es immer – auch und gerade zum digitalen Hype der Gegenwart.

 

Weiterführende Texte beim „Bündnis für humane Bildung“ (Auswahl):

Wahlmöglichkeiten in Europa sichern

Warum engagiert sich ELIANT für diese Petition?

2006 wurde ELIANT gegründet, um sich nicht nur für Wahlfreiheit in Europa einzusetzen, sondern auch besonders für den Erhalt und die Weiterentwicklung von Wahlmöglichkeiten zu kämpfen (ELIANT-Memorandum (https://eliant.eu/de/über-uns/memorandum/)). ELIANT versteht sich als Europäische Allianz von Initiativen angewandter Anthroposophie.
Anlass für diese Aktivität war die EU-Vitaminverordnung - mit der Folge, dass Babynahrung von Demeter vom Markt genommen werden musste. Weil Demeter-Richtlinien künstliche Vitaminierung verbieten, verschwand diese Wahlmöglichkeit für den Verbraucher. Da half es auch nicht, dass die Inhaltsanalysen bei der Vitamin-B-Gruppe im Demeter-Getreide überdurchschnittlich gut waren. Die Behördenmeinung war: Die Qualität ist sehr gut, lässt sich aber gerade aus diesem Grund nicht verallgemeinern. Die Verbrauchergruppe sei zu klein, um für sie eine Ausnahme zu machen. „Euch fehlt die kritische Masse“ wurde gesagt.

Vielfalt der Möglichkeiten sichern

Daraus zogen wir die Lehre: Wir müssen uns breiter vernetzen und die Qualität bestimmter Produkte bekannter machen, damit sie erhalten bleiben und sich weiter entwickeln können – auch wenn sie nicht dem „Mainstream“ entsprechen. Menschliche Kultur braucht neben der Uniformität auch die Vielfalt der Möglichkeiten.

Diese Vielfalt ist durch eine wachsende Regulation von Behörden und wirtschaftliche Interessen auf vielen sensiblen Gebieten besonders gefährdet. Das betrifft die Erziehung, Medizin, biologische Landwirtschaft und Ökologie. Dazu gehört jetzt auch das Recht auf humane Bildung in bildschirmfreien Kitas, Kindergärten und Grundschulen.

Erste Erfolge unserer Arbeit:


9 Vgl. o. V. (2011): „ELIANT bei der EU-Kommission“, in: http://www.themen-der-zeit.de/content/ELIANT_bei_der_EU-Kommission.1451.0.html vom 6.2.2018

Europäischer Hintergrund

Es geht uns um einen positiven Beitrag zur aktuellen Bildungsdebatte in Europa:

Am 17.11.2017 haben sich die europäischen Staats- und Regierungschefs in Gothenburg/Schweden getroffen, um über eine Stärkung der europäischen Identität durch Erziehung und Kultur zu beraten. Der Ministerrat der europäischen Union hat darauf am 14. Dezember 2017 an die Mitgliedsstaaten, den Rat und die Kommission die Empfehlung gegeben, die von ihnen formulierten Ziele zu verfolgen und umzusetzen, wie sie der„Digital Education Action Plan“ (https://ec.europa.eu/education/sites/education/files/digital-education-action-plan.pdf)  aufgestellt hat. Diese Kernpunkte rücken drei Prioritäten in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit:

1. Mehr Einsatz digitaler Technologie für Lehre und Lernen.
2. Entwicklung digitaler Fähigkeiten und Kompetenzen für die digitale Transformation unserer Gesellschaft.
3. Verbesserung des Erziehungssystems durch bessere Datenanalyse und Vorausschau auf Schlüsseltrends der digitalen Transformation.

Diese Forderungen sind zum Teil eine Notwendigkeit für Jugendliche in der Berufsvorbereitung und für Erwachsene, besonders für Pädagogen an Schulen und Hochschulen. Das steht für uns außer Frage – und gilt auch für Waldorf- und Rudolf Steiner-Schulen. (10)


10 Bund der freien Waldorfschulen (2014 + 2017): „Struwwelpeter 2.0 - Medienmündigkeit und Waldorfpädagogik“; „Struw-welpeter 2.1. - Leitfaden für Eltern durch den Mediendschungel“, beide Broschüren in: http://www.waldorfschule.de/waldorfpaedagogik/medienmuendigkeit

Weiterführende Texte aus der Waldorfpädagogik (Auswahl):

Gleichzeitig wird aber deutlich, dass die europäischen Staats- und Regierungschefs derzeit den Interessen der IT-Wirtschaft und Arbeitgeberverbänden folgen - und gerade nicht pädagogischen Notwendigkeiten oder didaktischem Wissen. Wir halten es weder für kind- noch entwicklungsgerecht, dass massiv in der Öffentlichkeit dafür geworben wird, die Digitalisierung schon in KiTa und Kindergarten zu beginnen - „als sinnvolle Ergänzung“ zu traditionell analogen Erziehungsformen (11). Außerdem teilen wir mit vielen Fachleuten berechtigte Zweifel, ob digitale Unterrichtsformate in jeder schulischen Situation angemessen sind. So zeigt die die OECD 2015 auf, dass es „keine nennenswerten Verbesserungen in der Schülerleistung in Lesen, Mathematik oder Wissenschaft in den Ländern [gibt], die stark in IKT (Informations- und Kommunikationstechnologie) für Bildung investiert hatten.“ (12)

Vor diesem Hintergrund wollen wir im Interesse unserer Kinder stark dafür werben, dass die Mitgliedsstaaten den „Action Plan“ der EU differenziert umsetzen. Wie das gelingen kann, zeigte auch unser ELIANT-Kongress am 28.11.2017: „A Healthy Digital Ecosystem“. (13)

Es geht uns um die Entscheidungsfreiheit, Medien zu nutzen oder nicht zu nutzen. Dafür ist das freie, diskursive und konstruktive Denken zu schulen, nicht primär die versierte Bedienung von Maschinen. Kinder und Jugendliche sollen wirkliche Medienmündigkeit (Bleckmann) erreichen - und nicht bei der Medienbedienkompetenz stehen bleiben. Die IT-Systeme werden immer komplexer und intransparenter, so dass nicht nur deren gesetzeskonforme Bedienung wichtig ist, sondern besonders deren Analyse und die Reflexion der Steuerungssysteme.


11 vgl. Dubois, Laura (2018): Wann darf mein Kind ans Tablet?, in:http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/diginomics/wann-darf-mein-kind-ans-tablet-15405098.htmlvom 6.2.2018
12 OECD (2015): „Students, Computers and Learning: Making the Connection“, in:http://www.oecd.org/publications/students-computers-and-learning-9789264239555-en.htm vom 6.2.2018
13 vgl. ELIANT (2017):“Wissenschaftliche Referenzen und Materialien zur Konferenz vom 28. November 2017“, in: https://eliant.eu/aktuelles/wissenschaftliche-referenzen-und-materialien-zur-konferenz/ vom 6.2.2018

Empfehlenswerte Bücher:

  • Paula Bleckmann (2016): Medienmündig: Wie unsere Kinder selbstbestimmt mit dem Bildschirm umgehen lernen, Klett-Cotta.
  • Manfred Spitzer (2014): Digitale Demenz. Wie wir uns und unsere Kinder um den Verstand bringen, Droemer TB.
  • Ralf Lankau (2017): Kein Mensch lernt digital. Über den sinnvollen Einsatz neuer Medien im Unterricht, Beltz.
  • Edwin Hübner (2015): Medien und Pädagogik: Gesichtspunkte zum Verständnis der Medien, Grundlagen einer anthroposophisch-anthropologischen Medienpädagogik, Pädagogische Forschungsstelle beim Bund der Freien Waldorfschulen (Hrsg.)
  • Gerald Lembke,‎ Ingo Leipner (2018): Die Lüge der digitalen Bildung. Warum unsere Kinder das Lernen verlernen, Redline Verlag.
  • Paula Bleckmann, Ingo Leipner (2018): Heute mal bildschirmfrei. Ein Alternativprogramm für ein entspanntes Familienleben. Knaur.
  • Alexander Markowetz (2015): Digitaler Burnout. Warum unsere permanente Smartphone-Nutzung gefährlich ist, Droemer.
  • Bert te Wildt (2016): Digital Junkies. Internetabhängigkeit und ihre Folgen für uns und unsere Kinder, Droemer.
  • Christoph Möller (Hg.) (2015): Internet- und Computersucht. Ein Praxishandbuch für Therapeuten, Pädagogen und Eltern, Kohlhammer.
  • Gerald Lembke,‎ Ingo Leipner (2018): Die Lüge der digitalen Bildung. Warum unsere Kinder das Lernen verlernen, Redline Verlag.
  • Paula Bleckmann, Ingo Leipner (2018): Heute mal bildschirmfrei. Ein Alternativprogramm für ein entspanntes Familienleben. Knaur.
  • Nicholas Kardaras (2016): Glow Kids. How Screen Addiction Is Hijacking Our Kids - and How to Break the Trance Hardcover, St. Martin's Press.
  • Jean M. Twenge (2017): iGen. Why Today’s Super-Connected Kids Are Growing Up Less Rebellious, More Tolerant, Less Happy—and Completely Unprepared for Adulthood—and What That Means for the Rest of Us, Atria Books.