Demokratie und mentale Gesundheit
Digitale Kompetenzen und die gefährdete Demokratie
Liebe ELIANT-Freundinnen, liebe ELIANT-Freunde
Die Europäische Kommission hat den Referenzrahmen für digitale Kompetenzen für Bürger im vergangenen Dezember in der Version 3.0 veröffentlicht. Es handelt sich um einen detaillierten Rahmen, der festlegt, über welche Kompetenzen die Erwachsenen verfügen sollten, je nachdem, wie kompetent sie sein möchten. Dennoch wird er oft als Lehrplanrahmen für Grund- und Sekundarschulen verstanden, verbunden mit einem hohen Einsatz digitaler Werkzeuge (einschließlich KI) von klein auf. Schlimmer noch: die Erwachsenen, die solche Pläne machen, vergessen, wie viel an digitaler Kompetenz sie sich im Erwachsenenalter selber angeeignet haben oder in Intensivkursen erworben und wie viel sie ihrer bildschirmfreien Kindergarten- und Schulzeit an Kreativität, mentaler Gesundheit und psychomotorischer Kompetenz verdanken.
Und gerade um diese nur in der analogen Welt zu erwerbende Kompetenz geht es der Europäischen Kommission, die den HERMMES-Ansatz als denjenigen bezeichnet, der „Kinder und Jugendliche dabei unterstützt, digital resiliente, medienkompetente Erwachsene zu werden“. Entwickelt wurde der HERMMES-Ansatz von 15 Partnerorganisationen unter der Koordination unseres Mitglieds, dem Europäischen Rat für Steiner-Waldorfpädagogik (ECSWE), worüber wir hier schon berichtet haben.
Die neueste Ergänzung zu diesen Aktivitäten ist eine 15-monatige HERMMES-Botschafterausbildung, die im September 2026 beginnt und für die man sich jetzt hier anmelden kann. Weitere Informationen zum HERMMES-Ansatz für Lehrer und Eltern finden Sie hier.
Die gefährdete Demokratie
Weltweit verschieben sich derzeit die Machtverhältnisse – auch in Europa. Es sucht neu seinen Platz im Machtgefüge der derzeit entstehenden neuen Welt(un)ordnung. Im Kern verkörpert Europa Vielfalt und Inklusivität und die grosse Herausforderung, an einer gemeinsamen wertebasierten Identität zu arbeiten. Das regelbasierte Wertesystem demokratischer Sozialsysteme wankt und weicht autoritären Strukturen, die auch vor Übergriffen auf die gesetzgebenden Organe nicht zurückschrecken.
Um Europa vor einer erneuten Fragmentierung und demokratiefeindlichen Bestrebungen zu schützen, müssen Reformen von unten – breit abgestützt in der Zivilgesellschaft – Transparenz und inklusive Teilhabe fördern und bei ihren demokratisch gewählten Parlamentariern einfordern.
ELIANT möchte – wo immer möglich zusammen mit anderen Initiativen – einen solchen Kulturwandel „von unten“ mit demokratischen Mitteln verfolgen: wir fordern ein Bildungswesen, das die gesunde Entwicklung von Kindern und Jugendlichen ins Zentrum stellt und die Anpassungs- und Leistungsforderungen aus Politik und Wirtschaft dem unterordnet. So wird eine Zivilgesellschaft gefördert, die sich für Mitsprache, Mitarbeit und direkte Demokratie einsetzen kann, anstatt sich an die vorgegebenen Strukturen anzupassen.
Besonders brisant ist aber unsere Forderung nach einem Umdenken in der Ökonomie: denn so wie es keinen lebendigen Organismus gibt, der unbegrenzt wachsen kann, so bringt ein am Ideal des unbegrenzten Wachstums orientiertes Wirtschaftsleben auf längere Sicht dem Planeten Erde und seinen Bewohnern mehr Schaden als Nutzen, indem es nicht zuletzt auch den Verteilungskampf um die Ressourcen immer neu anheizt und damit weitere Konflikt- und Krisenherde fördert. Ein bedarfsorientiertes Kreislaufdenken entlang der gesamten Wertschöpfungskette ist dringend erforderlich, um das ökologische Gleichgewicht nicht weiter zu gefährden.
Gegenwärtig wird die regelbasierte Ordnung Europas durch eine machtbasierte in Frage gestellt. Umso wichtiger ist es, sich längerfristig – wie zum Beispiel Sekem – für eine wertebasierte Ordnung des sozialen Lebens einzusetzen, die gelingen kann, wenn sich viele dafür mitverantwortlich fühlen und in ihrem Einflussbereich das mögliche tun.
Mit bestem Dank für Ihr Mitdenken grüsst herzlich für das ELIANT Team
Michaela Glöckler
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