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angewandter Anthroposophie

Dreigliederung des sozialen Organismus

Bekannt sind die drei Ideale der französischen Revolution: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Es leuchtet zwar unmittelbar ein, dass diese Ideale inspirierend sind für jedwede soziale Gestaltung. Die Geschichte hat aber gezeigt, dass es äußerst schwierig ist, sie praxistauglich zu machen. Es ist Rudolf Steiners Verdienst, sie für das heutige Bewusstsein neu formuliert zu haben, auch wenn er seine sozialen Impulse nur ansatzweise verwirklichen konnte. Er forderte in seinen Schriften und Vorträgen zur sozialen Dreigliederung Freiheit für das gesamte Kulturleben. Insbesondere sollte die Erziehung sich nicht an durch Wirtschaft und Politik vorgegebenen Leistungszielen orientieren und dem damit verbundenen Testzwang und Examensdruck. Vielmehr sollte jeder Mensch das Recht auf Bildung während seiner Entwicklung haben bis mindestens zum 18. Lebensjahr. Dann hat sich die Persönlichkeit so weit entfaltet und gefestigt, dass ein Abschlussexamen – je nach Wunsch – vom Jugendlichen selbst entschieden und dann auch motiviert angegangen werden kann. Bis zu einem gewissen Grad geschieht dies in den von ihm nach dem Ersten Weltkrieg begründeten Waldorfschulen.

Das Rechtsleben und mit ihm die Politik und Staatskunst steht unter dem Ideal der Gleichheit. Mündige Bürger bestimmen selbst, nach welchen Regeln und Gesetzen das Gemeinwesen sich in den jeweiligen Regionen, Ethnien und Staaten gestalten soll. Hier werden auch die Rahmenbedingungen für das Geistes-und Kulturleben, sowie das Wirtschaftsleben erarbeitet und entschieden.

Am weitesten entfernt vom Ideal der französischen Revolution ist die Brüderlichkeit im Wirtschaftsleben. Die heutige liberalistisch und kapitalistisch orientierte Weltwirtschaft so wie der Staatssozialismus mit seiner “Vormundschaftlichkeit“ haben dies deutlich gemacht. Kolonialismus, „Raubkapitalismus“ und Wirtschaftskriege, gefolgt von Hunger, Armut und sozialem Elend sind Zeugen dieser fest etablierten Unbrüderlichkeit. Brüderlichkeit im Wirtschaftsleben bedeutet genau das, was die heutige Klimajugend, die Kapitalismuskritiker und die Öko-Bewegungen fordern: Respekt vor der Natur und den Menschen entlang der gesamten Wertschöpfungskette! Eine Preisgestaltung, die der real aufgewendeten und nachhaltig organisierten Arbeit entspricht und die daran beteiligten so honoriert, dass sie in Würde leben können. Um dies zu realisieren – so Rudolf Steiner – müssen sich Assoziationen bilden, in denen Produzenten, Händler und Konsumenten auf Augenhöhe beraten, wie dies im einzelnen vor Ort realisiert werden kann.

Bekannt ist das Motto der Sozialethik von Steiner: Heilsam ist nur, wenn im Spiegel der Menschenseele sich bildet die ganze Gemeinschaft und in der Gemeinschaft wirket der Einzelseele Kraft.

https://www.dreigliederung.de
https://www.sozialimpulse.de
Steiner, Rudolf: Nationalökonomischer Kurs (14 Vorträge) und Seminar, GA 340 und 341
Lamb, Gary: Steinerian Economics
Steiner, Rudolf: Rethinking Economics: Lectures and Seminars on World Economics